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Samstag, 13. Juni 2009

Google-Wave

Vor einigen Tagen stellte Google ein neues Produkt namens „Wave“ vor. Von der Vorstellung auf Google Entwicklerkonferenz I/O gibt es ein andertalbstündiges Video.

Nachdem ich das Video gesehen hatte war ich ziemlich beeindruckt, hätte allerdings niemandem in weniger als andertalb Stunden erklären können was Google Wave eigentlich ist und zu was genau es nütze sein soll. Zumindest den ersten Teil, die Erklärung was es ist, hat mir freundlicherweise Gina Trapan (in weniger als 140 Zeichen!) abgenommen:

Q: Explain it in 140 characters, please. I'm still a bit in the shadow about what it DOES. -roxaloxa
A: Simplest terms: Google Wave is Gmail on crack. Imagine Gmail, Google Talk, and Google Docs in one big inbox.

Wozu Wave gut ist — oder wozu Crack gut ist — beantwortet die Antwort offensichtlich nicht. Nun gut, man ahnt es, man kann damit Dinge tun, die man mit E-Mail, Chat und online-Dokumenten tun kann. Und wenn man die Funktionalitäten von Google-Docs als Wiki-ähnlich auffasst, könnte es vielleicht in folgenden Stichworten beschrieben:

  • Kommunikation
  • Dokumentation
  • Wissensmanagment

Technisch beeindruckt Google Wave ungeheuer. Man sieht Dinge in einem Browser-Fenster, die man bislang für Science-Fiction, also für derzeit unmöglich umzusetzen, gehalten hat. Ähnlich wie das vor einigen Jahren mit Google-Maps war, die ich ehrlichgesagt bis heute für Zauberei halte. Auch wenn das Entwicklerteam von Google-Wave das gleiche wie das von Google-Maps ist, sehe ich einen entscheidenden Knackpunkt. Einem technischen Laien kann ich die Funktion und den Nutzen von Google-Maps in einem Atmenzug erklären. Selbst meine Großmutter kann Google-Maps bedienen: eine Adresse eingeben, Enter klicken — fertig (Wobei erfahrungsgemäss viele über sechzig-Jährige bereits vom Konzept der Enter-Taste überfordert sind). Meine Grossmutter oder meinen Eltern Google-Wave schmackhaft zu machen, kann ich mir derzeit nicht vorstellen.

Kurz: ich halte Google-Wave für eine grandiose Innovation, aber auch für eine zu komplexe, komplizierte Sache, als dass Sie ein Massenpublikum erreichen oder interessieren könnte. Meine Erfahrung zeigt, dass erfolgreiche Innovationen anfangs eher super-simpel sind und erst nach einigen Innovationszyklen kompliziert werden:

  • Fernseher, drei Programme, vier Bedienungselemente
  • Autos, drei Bedienungselemente
  • Telefon, ein Hörer, eine Wähl-Scheibe
  • World-Wide-Web, eine Eingabezeile
  • Twitter, 140 Zeichen

Selbst so etwas konzeptionell simples wie Chat überfordert bereits die meisten Menschen die ich kenne. Sie sind schlicht und ergreifend verwirrt von den vielen Informationen, Geräuschen und Reaktionen die ein einfacher Chat (oder schlimmer noch, Gruppenchat) auslöst.

Nichtsdestotrotz könnte Google-Wave unter Entwicklern und Technik-Freaks einen grandiosen Einstand feiern. Ich persönlich kann mir gut vorstellen mit den Features die Google-Wave bietet nützlich zu arbeiten, genauso, wie ich mir vorstellen kan, dass Google stark vereinfachte Spin-off-Produkte aus Wave ableitet. Warten wir also erstmal das Release ab und werfen zwei jahre danach nochmal einen Blick an dieser Stelle drauf. Ich wette, in zwei Jahren steht an dieser Stelle: Google-Wave wurde leider von Google eingestellt.

Kommentare:

Hmm, diesen Eindruck hatte ich gar nicht. Sie waren vllt. versucht zu viel zu zeigen, letztlich bietet mir Wave, zumindest nach dem ersten Eindruck einen wesentlich komfortableren Weg im Browser mit Leuten in Kontakt zu treten als es GoogleTalk kann und einen direkteren als per Mail. Wenn man sich GMail anschaut, dann ist hier ja letztlich der erste Schritt zur Symbiose zwischen EMail und Chat schon gemacht und mit Wave geht man noch einen Schritt weiter. Inwieweit die technischen Spielereien angewendet werden, wird sich zeigen. Faszinierend find ich ja, dass ich im Browser gleich sehe, was der andere schreibt. Das wird bestimmt Aenderungen in der Kommunikation mit sich bringen. Niemand wird mehr einen Satz zu Ende schreiben, da der Andere ja schon ahnt, was kommt. Das koennte den Pete Glocke-Chat salonfaehig machen. Ich glaube, Wave wird funktionieren.

Gesendet von Tobi am Juni 15, 2009 at 09:33 AM CEST #

Jetzt hats nicht 24 Monate gedauert, sondern nur 13,5: Google Wave wird nicht weiterentwickelt http://googleblog.blogspot.com/2010/08/update-on-google-wave.html

Gesendet von Felix Schwenzel am August 04, 2010 at 11:35 PM CEST #

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